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Es ist an der Zeit – Hepatitis C zu heilen.

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Mit der Entwicklung sehr potenter direkt antiviral wirksamer Medikamente gegen HCV, könnte das Ziel der WHO, die Erkrankung bis 2030 weltweit zu eliminieren, Realität werden.

Allgemeines zur Hepatitis-C-Erkrankung

Prävalenz

 

Die geschätzte Seroprävalenz von Hepatitis C liegt in der Allgemeinbevölkerung westeuropäischer Länder zwischen 0,1% und 1,1%. Jährlich kommen beispielsweise in Österreich rund 1.500 und in Deutschland ungefähr 5.000 Neuinfektionen hinzu.(1)(2)

Weltweit haben schätzungsweise 71 Millionen Menschen eine chronische Hepatitis-C-Infektion. Weltweit sterben jedes Jahr um die 399.000 Menschen an Hepatitis C und dabei hauptsächlich an Zirrhose und hepatozellulärem Karzinom.(3)

Risikogruppen

Hepatitis C wird durch einen Blut-zu-Blut-Kontakt übertragen. Personen mit Tattoos oder Piercings, Menschen mit ungeschütztem, hartem Geschlechtsverkehr, Konsumenten von i.v. Drogen, sowie Ärzte und Pflegepersonal sind einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt.(4)(5)

Schätzungen zufolge sind ungefähr 30-40% der Infektionen nicht diagnostiziert.

 

Dreiviertel aller Infektionen verlaufen unbemerkt oder nur mit Grippe-ähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit und Fieber.(6)  Nicht zu vergessen dabei ist, Virusträger die noch nichts von Ihrer Erkrankung wissen, stecken eher andere Menschen an.

Bei Menschen mit leberspezifischen Symptomen oder erhöhten Leberwerten im Labor, sollte auch an Hepatitis gedacht werden und bei Verdacht darauf getestet werden.

Bei etwa 15% der Infizierten kann die Erkrankung in den ersten sechs Monaten von alleine ausheilen. Besteht die Erkrankung jedoch nach sechs Monaten weiter, ist es wichtig diese alsbald zu therapieren, um das Risiko einer weiteren Übertragung zu minimieren.

Im Sommer 2017 wurde ein neues, sehr effektives Medikament zugelassen.

 

Im Bereich der Hepatitis-C-Therapie hat sich in den letzten Monaten unglaublich viel getan. Die Therapieleitlinien können gar nicht schnell genug adaptiert werden, aber die Studienergebnisse und die schnellen Zulassungsverfahren sprechen für sich.

Neue sehr effektive, in der Anwendung vereinfachte, nebenwirkungsarme Kombinationspräparate sind am Markt und Patienten werden in spezialisierten Zentren bereits damit therapiert.

Zur Interferon-freien antiviralen Therapie sind Inhibitoren der RNA-abhängigen RNA-Polymerase, der NS3/4A-Protease und des NS5A-Proteins des HCV sowie Ribavirin verfügbar. In den meisten Fällen werden zwei spezifische Inhibitoren kombiniert.

Die verschiedenen Medikamente unterschieden sich bisher in ihrer Effektivität bzgl. der unterschiedlichen viralen Genotypen und in ihrer Resistenzbarriere.

Diese sieben verschiedenen Genotypen mussten bisher teilweise völlig unterschiedlich therapiert werden.

Es gab auch noch andere Parameter, wie beispielsweise etwaige Vorbehandlungen oder Nierenfunktionsstörungen, die in den Therapieplan mit einbezogen werden mussten.  Aber es hat sich alles vereinfacht. Jetzt können nahezu alle Patienten, unabhängig vom viralen Genotyp, mit einer unkomplizierten Therapie und einer Effektivität von 97 bis 99% behandelt werden.

Seit dem Sommer 2017 befindet sich ein neues Medikament am Markt, das aus dem NS3/4A-Protease-Inhibitor Glecaprevir und dem NS5A-Inhibitor Pibrentasvir kombiniert ist. Mit dieser Wirkstoffkombination steht ab sofort für den Großteil der Hepatitis-C-Patienten, unabhängig vom Genotyp des Virus, eine Therapie zur Verfügung, bei der bis zu 100% der untersuchten therapienaiven Patienten ohne Zirrhose, ein anhaltendes virologisches Ansprechen – eine SVR 12* (sustained virologic response 12 Wochen nach Therapieende) erreichen.

Patienten, die in Deutschland und Österreich mit dem meist verbreiteten Genotyp, dem GT1, infiziert waren, erzielten eine SVR12 von 97-100%. Auch therapienaive Patienten mit dem bisher schwer zu behandelnden GT3 erzielten eine SVR12 von 97%.(7) Ebenso erzielten Patienten mit einer HCV/HIV-Koinfektion oder unter Substitutionstherapie, die heute einen entscheidenden Anteil der Patienten ausmachen, vergleichbare Ergebnisse. Dieses Medikament ist auch bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, bis einschließlich Dialysepatienten, zugelassen.(7)(8)(9)

Das Medikament ist jedoch kontraindiziert bei dekompensierter Zirrhose.

Bei Patienten mit dekompensierter Zirrhose wird momentan ein Kombinationspräperat aus Sofosbuvir und Velpatasvir empfohlen.(10)(11)

Das Wegfallen umfangreicher Voruntersuchungen vor Behandlungsbeginn und die kurze (8-16 Wochen) relativ nebenwirkungsfreie (Kopfschmerzen und Fatique ≥ 10 %) Therapiedauer könnten es möglich machen, diese Therapie nicht nur in Spezialambulanzen sondern auch im niedergelassenen Bereich zu etablieren, um möglichst viele Patienten mit einer Hepatitis-C-Infektion zu erreichen.

*Als von einer chronischen Hepatitis C geheilt geltende Patienten, die 12 Wochen nach Behandlungsende ein anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virologic response, SVR12) aufweisen.

(1) https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/hepatitis-in-oesterreich/
(2) Robert Koch-Institut Epidemiologisches Bulletin Nr. 29, 25. July 2016.
(3) http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs164/en/
(4) http://www.hepatitis-c.de/infektionswege
(5) http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattu         ng/GBEDownloadsT/hepatitis_c.pdf?__blob=publicationFile
(6)Webster DP, Klenerman P, Dusheiko GM: Hepatitis C. Lancet 2015; 385: 1124–35 CrossRef
(7) Dufour et al. Safety of Glecaprevir/Pibrentasvir in Adults With Chronic Genotype 1–6 FRI-238 Hepatitis-C Virus Infection: An Integrated Analysis, präsentiert im Rahmen von The International Liver Congress™ (ILC) in Amsterdam, 19.–23. April 2017.
(8) Kwo P., Poordad F., Asatrayan A. et al. Glecaprevir and pibrentasvir yield high response rates in patients with HCV genotype 1–6 without cirrhosis. Journal of Hepatology 2017 vol. 67 j 263–271.
(9)Fachinformation Maviret®, Stand Juli 2017
(10) Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels Epclusa (Fachinformation): http://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2016/20160706135323/anx_135323_de.pdf (last accessed on 20 August 2016).
(11) Curry MP, O’Leary JG, Bzowej N, et al.: Sofosbuvir and Velpatasvir for HCV in patients with decompensated cirrhosis. N Engl J Med 2015; 373: 2618–28. CrossRef MEDLINE

 

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