Lachen und Ärzte
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Warum Ärzte mehr lachen sollten

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Im Volksmund sagt man: Lachen ist gesund. Aber leider lachen wir immer weniger: Erwachsene lachen durchschnittlich fünfzehn Mal pro Tag, in Österreich ein bisschen weniger. Damit schneiden wir verglichen mit anderen Ländern eher mäßig ab. Kinder machen es besser – sie bringen es auf circa 400mal täglich.

Aber was bewirkt Lachen in unserem Körper?

 

Wenn wir lauthals lachen, aktivieren wir ca. 135 Muskeln in unserem Körper – denn nicht nur die Muskulatur um den Mund ist beteiligt, sondern auch ein Teil der Gesichts- und Augenmuskeln, der gesamte Kopf gerät in Bewegung und obendrein noch die intercostale Muskulatur, das Zwerchfell und die Bauchmuskeln.

Neben der muskulären Beanspruchung hat Lachen einen Einfluss auf die endokrine Funktion. Am besten erforscht sind wohl die Veränderungen des Immunsystems: Durch Lachen kommt es zu einer vermehrten Aktivierung von T-Zellen, T-Helferzellen, B- und NK-Zellen, sowie der Produktion von  Gamma-Interferon. Nachweislich seien positive Menschen weniger krank und wenn doch, hätten sie einen besseren Heilungsverlauf. Bei rheumatischer Arthritis zum Beispiel, hat man bei fröhlicheren Menschen einen niedrigeren Zytokinspiegel festgestellt. Weitere Untersuchungen konnten höhere IgA-Werte in Speichel und Serum feststellen und somit eine bessere Infektabwehr im respiratorischen System.

Herzhaftes Lachen führe außerdem zu einer Aktivierung des parasympathischen Nervensystems sowie zur Produktion von Endorphinen – ist das Signal angekommen, werden Stresshormone reduziert, Blutdruck und Herzfrequenz sinken und positive Gefühle ersetzen Angst- und Stressgefühle. Laut Forschern der Gelotologie, die sich mit den physischen und psychischen Auswirkungen des Lachens beschäftigen, soll eine Minute ausgiebiges Lachen mit 45 min Entspannungstraining vergleichbar sein.  Und nicht nur das – man nimmt an, dass durch Lachen Stickstoffmonoxid gebildet wird und es dadurch zu einer Dilatation der Gefäße sowie besseren Durchblutung kommt. Im Vergleich dazu soll Stress den Blutfluss verlangsamen.

Es heißt also so schön und richtig: Lachen ist gesund und macht glücklich.

Echt oder nicht?

 

Ob ein Lachen echt ist, erkennt man. Der französische Muskelforscher Guillaume Duchenne beschrieb im Zuge seiner Forschungen zum ersten Mal, dass die Menschen beim spontanen Lächeln den M. zygomaticus major und M. orbicularis oculi pars lateralis aktivieren – die Mundwinkel werden symmetrisch hochgezogen und die Wangen gehoben. Neben den Augenwinkeln entstehen Falten. Da der M. orbicularis oculi pars lateralis nicht kontrolliert aktiviert werden könne, würde man durch fehlende Augenbeteiligung ein vorgetäuschtes Lächeln erkennen.

Mittlerweile werden einige Formen des Lachens und Lächelns unterschieden. Wie wir sie differenzieren, beruht auf der Theorie der Nachahmung: Der Mensch erkennt das wahre Lachen des Gegenübers durch Analyse seiner Mimik, es werden dieselben Hirnareale aktiviert und dadurch wird nachempfunden, was der andere fühlt. Unbewusst analysieren wir Dauer und Öffnungsgrad des Mundes, die Bewegung der Augen und die Blickrichtung. In Experimenten, bei denen Probanden auf einen Bleistift beißen mussten, während ihnen Fotos von lächelnden Menschen gezeigt wurden, taten sie sich deutlich schwerer echtes und aufgesetztes Lächeln auseinander zu halten.

Überraschung!

 

Laut Freud ist das Lachen über einen Witz ein Lustgewinn und wird dann ausgelöst, wenn es zu einer „Überraschung“ kommt, also die Aussage nicht unseren Vorstellungen entspricht. Die Wahrnehmung der Inkongruenz ist auch der erste Schritt in der Verarbeitung eines Witzes. Als zweites wird (meistens) die Pointe erkannt, die Aussage emotional verarbeitet und dann folgt die Erheiterung auf emotionaler Ebene, bis im letzten Schritt unsere Gesichtsmuskeln aktiviert werden – und gelacht wird. Involviert sind somit Bereiche des Grenzgebietes zwischen Temporal-, Parietal- und Occipitallappen, der Gyrus fusiformis in der Gesichtserkennung und das Brodmann Areal 21. Um die Pointe zu erkennen, brauchen wir Teile des linken Frontallappens und das motorische Sprachzentrum, sowie für die emotionale Verarbeitung das limbische System.

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Lachen in unserer Praxis

 

Lachen dient als „Eisbrecher“ im Alltag, es verbindet und kann die Arzt-Patient-Beziehung stärken. Wichtig dabei ist es den richtigen Zeitpunkt zu wählen, da die Grenze zum Auslachen manchmal sehr schmal ist, und es durch differierende Interpretation als Beleidigung gedeutet werden kann. Jedoch gerade chronischen Schmerzpatienten würde vermehrtes Lachen guttun, da eben einerseits die Beziehung zwischen Arzt und Patient besonders wichtig ist, und andererseits Lachen das Schmerzempfinden senken kann. Aus psychosomatischer Sicht nimmt man an, dass Zusammenhänge einer belastenden Situation besser erkannt werden, wenn sich die innere Anspannung durch Lachen löst. Sichtweisen und Gedankenmuster werden verändert und neue Lösungsmöglichkeiten ergeben sich. Noch nicht ganz geklärt ist, ob die positive Wirkung im Heilungsverlauf von Krankheiten durch das Lachen selbst, die Veränderung der Stimmung, seine stressreduzierende Wirkung oder durch eine bessere soziale Unterstützung bedingt ist.

Dass man in einer Ordination nicht ständig Witze machen kann, ist klar. Trotzdem gilt, dass Humor vor allem in Stressberufen eine unterschätzte Ressource darstellt. Lachende Menschen sind kontaktfreudiger, beliebter und sozial erfolgreicher. Dass es durchaus als ein positives Mittel in der Therapie aufgefasst werden kann, sollte man bedenken.

Zum Schluss auch für uns noch etwas zum Lachen (weil wir Ärzte auch oft gern über uns selbst lachen):

 

Ein Ingenieur ist lange Zeit über arbeitslos und beschließt nun eine medizinische Praxis zu eröffnen. Er hängt ein Schild an die Eingangstür mit folgender Aufschrift: „Für 500 Euro garantiere ich Ihnen, Ihre Krankheit zu heilen. Falls es mir nicht gelingen sollte, bekommen Sie 1000 Euro.“

Ein studierter Arzt denkt sich, dass es ein Leichtes sei, hier 1000 Euro zu verdienen und besucht deshalb die neu eröffnete Praxis. Arzt: „Ich habe meinen Geschmackssinn verloren.“

Ingenieur: „Schwester, bringen Sie mir bitte die Medizin aus der Schachtel mit der Aufschrift ’22‘ und verabreichen Sie dem Patienten drei Tropfen davon.“

Die Schwester tut wie ihr befohlen.

Arzt: „Pfui, das ist ja Benzin!“

Ingenieur: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben Ihren Geschmackssinn zurück. Das macht dann 500 Euro.“

Der Arzt ist verärgert, bezahlt die 500 Euro und verlässt die Praxis. Nach ein paar Tagen kommt er wieder.

Arzt: „Ich habe mein Gedächtnis verloren. Ich kann mich an nichts mehr erinnern.“

Ingenieur: „Schwester, bringen Sie mir bitte die Medizin aus der Schachtel mit der Aufschrift ’22‘ und verabreichen Sie dem Patienten drei Tropfen davon.“

Arzt: „22? Das ist doch Benzin!“

Ingenieur: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben Ihr Gedächtnis wiedererlangt. Das macht dann 500 Euro.“

Der Arzt bezahlt zähneknirschend und verlässt die Praxis. Ein paar Tage später kommt er wieder, fest entschlossen sein verlorenes Geld zurückzubekommen.

Arzt: „Meine Sehkraft hat stark nachgelassen. Ich erkenne nur noch Umrisse!“

Ingenieur: „Nun, dafür habe ich leider kein geeignetes Medikament. Deshalb bekommen Sie, wie versprochen, 1000 Euro.“

Er reicht ihm zwei 5 Euro Scheine.

Arzt: „Moment, das sind doch nur 10 Euro!“

Ingenieur: „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben Ihr Sehvermögen wieder. Das macht dann 500 Euro.“

 

Wer noch nicht genug gelacht hat, hier geht’s weiter!

Glossar:

1. http://www.laughteronlineuniversity.com/laughter-immune-system/

2. https://www.jstage.jst.go.jp/article/jpa/21/3/21_3_159/_article

3. http://www.lachverband.org/Wissenschaft.53763.html

4. https://link.springer.com/article/10.1007/s00391-009-0084-y

5. http://www.3sat.de/page/?source=/nano/natwiss/156918/index.html

6. http://aware-magazin.ch/2015/03/lachen-ist-die-beste-medizin/

 

 

 

 

 

 

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