Brustkrebs
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Brustkrebs-Studie: 8 von 10 kennen ihr erhöhtes Risiko nicht

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Der Oktober steht ganz im Zeichen der Brustkrebsvorsorge und -forschung. Der internationale Brustkrebs-Monat (engl.: Breast Cancer Awareness Month) wurde 1985 von der American Cancer Society ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Erkrankung zu stärken und zudem durch – oft in rosa getauchte – Aktionen Geld für die Brustkrebsforschung zu sammeln.

Erhöhtes Risiko

Passend dazu ist nun eine Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) erschienen. Ziel dieser Studie war es zu überprüfen, wie viele Menschen um ihr genetisch erhöhtes Risiko Bescheid wissen, an diversen Krebsarten zu erkranken. Genauer genommen ging es dabei um Mutationen der BRCA1/2-Gene (Breast Cancer Gene 1/2), die unter anderem mit einem stark erhöhten Risiko für die Entstehung von Brust- und Eierstockkrebs einhergehen. In der Querschnittstudie wurden hierfür 50.726 ProbandInnen aus den USA auf besagte Mutationen untersucht.

Brustkrebs-Gene

In den 90er-Jahren wurden erstmals Genmutationen im Chromosom 17 (BRCA1) und Chromosom 13 (BRCA2) als prädisponierende Faktoren für die Entstehung von verschiedenen Krebsformen identifiziert. Dazu gehören neben Brust- und Eierstockkrebs auch beispielsweise Bauchspeicheldrüsen-, Magen- oder Prostatakarzinome. Eine BRCA1-Mutation betrifft etwa eine von 500 Personen. Das Lebenszeitrisiko an Brustkrebs zu erkranken liegt dadurch bei etwa 70-80%, das Risiko für Eierstockkrebs bei etwa 40-60%. Bei der BRCA2-Mutation, die mit einer Prävalenz von 1 zu 700 etwas seltener ist, liegen diese Zahlen dagegen bei etwa 70% (Mammakarzinom) und 10-30% (Ovarialkarzinom). Für Frauen mit einer BRCA1/2-Mutation, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind, steigt außerdem das Risiko deutlich, ein Karzinom auf der Gegenseite zu entwickeln.
Bei 5-10% der Mammakarzinome ist eine solche Mutation nachzuweisen, bei Männern beträgt dieser Anteil sogar etwa 25%.

Diagnosia App

Ergebnisse

Von den untersuchten ProbandInnen wiesen 267 (0,5%) eine Veränderung in den BRCA1/2-Genen auf. Dabei handelte es sich um 148 Frauen und 119 Männer. Durch die Überprüfung der Krankengeschichte stellte sich heraus, dass bei 82% dieser Betroffenen bisher keine Untersuchung der besagten Genmutationen durchgeführt wurde. Erwartungsgemäß war die Wahrscheinlichkeit für eine bereits vorhandene Krebserkrankung unter Trägerinnen der Mutationen deutlich erhöht – 20,9% wiesen bereits ein Mammakarzinom, 10,1% ein Ovarialkarzinom auf (gegenüber 5,2% respektive 0,6% unter Nicht-Trägerinnen).

Ausblick

Die Indikation für eine genetische Analyse wird mithilfe der Familienanamnese gestellt und zudem laufend dem aktuellen Forschungsstand angepasst. Die Forscher der Studie konkludieren, dass eine solche Diagnostik als Screening-Untersuchung viele Menschen identifizieren könnte, die sich ihrem erhöhten Risiko bisher nicht bewusst sind und so in weiterer Folge die Mortalitätsrate senken. Diese Vorteile müssen jedoch gegen die Nachteile abgewogen werden, vor allem die geringe Prävalenz in der Gesamtbevölkerung, die derzeit hohen Kosten einer Genanalyse sowie nicht zuletzt die psychischen und klinischen Konsequenzen, die ein positiver Befund mit sich bringt.

 

Quellen

1. Ärzteblatt – BRCA1/2: Neue Schätzungen zum Lebenszeitrisiko auf Mamma- und Ovarialkarzinom

2. Yale University. „Eight of 10 people with cancer risk genes don’t know it.“ ScienceDaily. ScienceDaily, 21 September 2018.

3. Manickam K, Buchanan AH, Schwartz MLB, et al. Exome Sequencing–Based Screening for BRCA1/2 Expected Pathogenic Variants Among Adult Biobank Participants. JAMA Network Open, 2018; 1 (5): e182140

4. Lippi G, Mattiuzzi C, Montagnana M. BRCA population screening for predicting breast cancer: for or against? Annals of Translational Medicine. 2017;5(13):275. doi:10.21037/atm.2017.06.71.

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