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Das Smartphone im ärztlichen Berufsalltag

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Nachdem wir letztes Mal den Aspekt der Telemedizin aus empirischer Sicht betrachtet haben, wollen wir euch heute eine Studie vorstellen, welche sich mit der Einstellung von Ärztinnen und Ärzten gegenüber dem Gebrauch eines Smartphones am Arbeitsplatz beschäftigt.

Mit einer stetig höher werdenden Zahl an PatientInnen steigt der Druck auf Spitäler, kosteneffizienter zu arbeiten. Parallel dazu schreitet der technologische Fortschritt immer weiter voran und bietet dabei laufend neue Lösungen in Form von mobilen Endgeräten, die Arbeitsprozesse erleichtern und optimieren sollen – so auch in Form von Smartphones. Doch, welche Faktoren determinieren eine erfolgreiche Verwendung dieser?

Die Entscheidung zum Smartphone

Laut Healthcare IT News lag in den USA der Prozentsatz an Ärztinnen und Ärzten, welche ein Smartphone oder ein PDA am Arbeitsplatz verwenden, bereits 2010 bei über 50 Prozent. Eine wichtige Rolle spielt hierbei, dass Krankenhäuser damit begonnen haben, eigenständig Smartphones an ihr Personal auszugeben, so etwa das University of Pittsburgh Medical Center. Ziel des Projekts war beispielweise eine bessere und nahtlosere Kommunikation zwischen den Mitarbeitern.

Die anfangs erwähnte Studie aus 2012 untersuchte an drei Krankenhäusern im Südwesten der USA die Parameter, die in der Entscheidung einer Ärztin bzw. eines Arztes, ein Smartphone im Berufsalltag zu verwenden, eine Rolle spielten. (1) Dabei kam es zu 87 Rückmeldungen, wobei das Kollektiv zu 74% aus Männern und zu 26% aus Frauen bestand und ein breites Spektrum an Fachrichtungen widerspiegelte.

Die TeilnehmerInnen wurden mittels Fragebogen befragt, wobei sich dieser in drei Teile gliederte. Im ersten Teil wurde definiert was als Smartphone gilt und ein hypothetisches Beispiel gegeben, wie die Verwendung eines solchen im typischen Arbeitsalltag einer Ärztin bzw. eines Arztes aussehen könnte. Darauf folgte ein Abschnitt mit Fragen zu diesem hypothetischen Beispiel. Durch Zustimmung bzw. Ablehnung zu Aspekten des Beispiels konnte die allgemeine Einstellung gegenüber der Smartphone-Verwendung evaluiert werden. Den letzten Teil bildeten Fragen über den soziodemographischen Hintergrund der Ärztin bzw. des Arztes.

Der Schlüssel zum Erfolg

Die Auswertung der Antworten erfolgte nach dem anerkannten Technology Acceptance Model (TAM). Anhand dieser konnten sechs Key-Faktoren identifiziert werden, welche einen starken Einfluss auf die persönliche Einstellung und Bereitschaft zur Smartphone-Verwendung hatten.

Die drei statistisch signifikantesten hierfür waren:

      1. Die Kompatibilität des jeweiligen Geräts bzw. der Software mit dem Arbeitsumfeld – wie nahtlos eingebunden ist das System in Arbeitsabfläufe und das restliche technische Umfeld?
      2. Die Relevanz der Verwendung des Geräts für den Berufsalltag – z.B.: dient das Smartphone nur als ein weiterer Kanal zur Kommunikation oder bietet es der Ärztin bzw. dem Arzt beispielsweise Informationen, welche andernfalls nicht zugänglich wären?
      3. Die interne Umwelt in Bezug auf die Geräteverwendung – wird der Gebrauch auf allen Führungsebenen konsequent unterstützt und werden MitarbeiterInnen dazu ermutigt?

Neben diesen drei Hauptfaktoren zeigte sich auch, dass die persönliche Erfahrung mit einem Smartphone sowohl im Beruf als auch im Privatleben sowie die zeitliche und organisatorische Möglichkeit, dieses tatsächlich auch zu benutzen, und die externe Umwelt im Sinne von Smartphone-Trends einen Einfluss auf dessen Akzeptanz haben.

Die Herausforderung der Zukunft

Mit ihren Ergebnissen zeigt diese Studie, dass gewisse Faktoren einen maßgeblichen Einfluss auf die Implementierung von Smartphones und neuen, digitalen Technologien in den Arbeitsalltag einer Ärztin bzw. eines Arztes haben. Die Hauptaufgabe der nächsten Jahre wird es sein, die stetig neuen Innovationen, welche uns der technologische Fortschritt verschafft, nach diesen Faktoren zu bewerten und ihnen eine möglichst nutzerfreundliche Form zu verleihen. Dies ist auch unser Ziel bei Diagnosia. – lop

Quellen

      1. Putzer GJ, Park Y. Are physicians likely to adopt emerging mobile technologies? Attitudes and innovation factors affecting smartphone use in the Southeastern United States. Perspect Health Inf Manag. 2012;9:1b.
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Über den Author

Lorenz Pichler
Ich bin Medizinstudent im letzten Studienjahr mit der Ambition Unfallchirurg und Orthopäde zu werden. Abseits von Hammern, Schrauben und Sägen besitze ich eine Leidenschaft für’s Skitour gehen, Radeln, die Berge und edvidence based medicine. Bei Diagnosia schreibe ich über rezente Forschung, therapeutische Guidelines und spannende Patient-Cases.