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Der „Dry January“ und seine Auswirkungen

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Losgelöst durch eine Kampagne in Großbritannien findet der „Dry January“ (‘Trockener Januar’) im angloamerikanischen Raum immer mehr Verbreitung. Die Idee dabei ist es, nach den oft konsumintensiven Weihnachtsfeiertagen für das Monat Januar auf Alkohol zu verzichten. Unlängst konnte der ursprünglich als Initiative gegen Alkoholabhängigkeit gegründeten, einmonatigen Abstinenz durch eine große Studie zahlreiche weitere Vorteile nachgewiesen werden.

Langfristige Änderung des Konsums

Dr. Richard de Visser, Lektor für Psychologie an der University of Sussex, Großbritannien, untersuchte in einer brandaktuellen Studie 816 ProbandInnen, welche einen „Dry January“ einhielten und von de Visser und seinem Team bis August des Jahres verfolgt wurden. Dabei wurde festgestellt, dass die 31-tägige Abstinenz selbst ein halbes Jahr danach noch Auswirkungen auf das Alkoholkonsumverhalten der StudienteilnehmerInnen hatte. So fiel z.B. die Anzahl der durchschnittlichen Tage pro Woche, an denen Alkohol getrunken wurde, von 4,3 auf 3,3. Ähnliche Entwicklungen machte die Zahl der pro solchem Tag konsumierten Einheiten Alkohol: Diese ging von 8.6 auf 7.1 zurück. Und auch die Anzahl der Male, an denen die ProbandInnen angaben, betrunken gewesen zu sein, verringerte sich von durchschnittlich 3.4 auf 2.1 Mal pro Woche.

Ein Erfolgsgefühl

Neben dem veränderten Konsumverhalten konnten auch eine Vielzahl an direkten Auswirkungen von den ProbandInnen berichtet werden. So gaben 93% an, durch das Einhalten des „Dry January“ ein Erfolgsgefühl verspürt zu haben. Weitere 88% der ProbandInnen berichteten darüber, Geld gespart zu haben und 80% empfanden, mehr Kontrolle über ihr Trinkverhalten erlangt zu haben. Ebenfalls interessant sind die körperlichen Auswirkungen, welche beobachtet wurden. Hier sagten 70% aus, sie fühlten sich allgemein gesünder, 71% schliefen besser und 58% gaben an, Gewicht verloren zu haben.

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Auch weniger ist mehr

“Interessanterweise wurden die Veränderungen im Alkoholkonsum auch von jenen TeilnehmerInnen beobachtet, welche es nicht schafften, den gesamten Januar abstinent zu bleiben. Diese mögen kleiner gewesen sein, zeigen jedoch, dass selbst der Versuch eines „Dry January“ bereits reale Verbesserungen herbeiführen kann.”, so Dr. de Visser.
Auch Dr. Richard Piper, CEO von Alcohol Change UK sieht die Wichtigkeit des „Dry January“, vor allem in der Einsicht: “Für 31 Tage alkoholfrei zu sein zeigt uns, dass wir Alkohol nicht brauchen um Spaß zu haben, zu entspannen oder um sozialen Kontakten nachzugehen.”

Wir bei Diagnosia teilen diese Meinung und erheben unser Glas Wasser auf den Januar!

Quelle

1. University of Sussex

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Über den Author

Dr. Lorenz Pichler
Arzt in Ausbildung mit der Ambition zum Unfallchirurgen und Orthopäden. Besitzt abseits vom Hammern, Schrauben und Sägen ein Faible für Skitouren, Fahrräder, die Berge und Evidence Based Medicine. Bei Diagnosia schreibt er über rezente Forschung, therapeutische Guidelines und spannende Patient-Cases.