Gluten
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Gluten-Unverträglichkeit: Forscher entwickeln neue Therapie

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Immer mehr Menschen ernähren sich glutenfrei, das zeigt der wachsende Markt für entsprechende Ersatzlebensmittel, die auf den Einsatz von Gluten verzichten. Doch obwohl ein Teil dieser Entwicklung einem aktuellen Gesundheitstrend zuzuschreiben ist, haben Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit keine andere Wahl als eine strikte, glutenfreie Ernährung. Forscher der TU Wien haben nun ein Mittel entwickelt, das nach eigenen Angaben die Symptome einer Unverträglichkeit zumindest lindern kann.

Zöliakie


Die Zöliakie ist die wohl bekannteste Form der glutenassoziierten Erkrankungen und wird nach heutigem Wissensstand von einer Weizenallergie sowie einer Gluten- oder Weizensensitivität unterschieden. Bei der Zöliakie handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der Autoantikörper gegen die Gewebstransglutaminase ausgebildet werden. Die Prävalenz der Zöliakie wird auf etwa 0,3-1% der Gesamtbevölkerung geschätzt. Da nur etwa 10-20% der Betroffenen spezifische Symptome aufweisen, dürfte die Dunkelziffer weitaus höher liegen. Zu diesen Symtomen gehören vor allem rasch einsetzende gastrointestinale Beschwereden nach Aufnahme glutenhaltiger Lebensmittel wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall. Aber auch Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen oder Müdigkeit sind möglich. Langfristig führt eine glutenhaltige Ernährung bei Zöliakie-PatientInnen zu histologischen Veränderungen des Dünndarms und in Folge zu einer Malabsorption von Lebensmittelbestandteilen. Zur Sicherung der Diagnose sind ein Nachweis von IgA-Antikörpern gegen Gewebstransglutaminase (TTG) sowie Dünndarmbiopsien unerlässlich.

Therapie


Da eine glutenfreie Ernährung durchaus eine Herausforderung darstellt, könnte eine geeignete Therapie für viele PatientInnen eine verbesserte Lebensqualität bedeuten. Bisherige Therapieansätze setzen gemäß der Pathophysiologie vor allem bei der Unterdrückung der immunologischen Reaktion des Körpers an. Die entsprechende Forschung ist allerdings noch weit von einer Markttauglichkeit entfernt.

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Gluten binden


An der TU Wien ist man deshalb einen neuen Weg gegangen. Die Forscher wollten eine Möglichkeit finden, das Gluten-Molekül noch vor der Interaktion mit dem Körper unschädlich zu machen. Dafür stellten sie Antikörper-Fragmente in E. coli-Bakterien her, die eine Affinität für die in Gluten enthaltenen Prolamine zeigen und an diese binden. Durch die Einnahme dieser Antikörper-Fragmente mit einer glutenhaltigen Mahlzeit könnten die assoziierten Symptome also theoretisch verbessert werden. Da es sich nicht um ein Medikament handelt, sondern um ein Medizinprodukt, hoffen die Forscher auf eine baldige Markteinführung. Studien zur Verträglichkeit und Wirksamkeit in vivo stehen allerdings noch aus.

Wir bei Diagnosia finden diesen neuartigen Ansatz spannend und verfolgen die weiterführende Forschung mit großem Interesse.


Quellen


1. Deutsche Zöliakie-Gesellschaft
2. TU Wien – Presseaussendung
3. Eggenreich B, Scholz E, Wurm DJ, Forster F, Spadiut O. The production of a recombinant tandem single chain fragment variable capable of binding prolamins triggering celiac disease. BMC Biotechnology. 2018;18:30. doi:10.1186/s12896-018-0443-0.

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