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Krafttraining ist das neue Laufen

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Kardiovaskuläre Erkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen (1). Die Rolle von körperlicher Bewegung in der Prävention dieser ist bereits umfangreich erforscht (2) und mittlerweile nicht mehr von der Hand zu weisen. Hierbei untersuchte die Mehrzahl der Studien jedoch die Auswirkungen von aerober Ausdauerbelastung, wie sie beispielsweise beim Laufen, Rad fahren oder Gehen stattfindet. Nur wenige Studien beschäftigten sich bisher mit dem Einfluss, den Krafttraining auf die kardiovaskuläre Gesundheit hat.

Die Hantelbank und das Herz

Duck-chul Lee, Associate Professor für Bewegungswissenschaften an der Iowa State University, USA nahm diese Wissenslücke zum Anlass, um mit seinem Team eine groß angelegte Studie dazu durchzuführen (3). Hierfür wurden die Daten von 12.591 ProbandInnen untersucht, welche im Zeitraum von 1987 bis 2006 zumindest zwei vollständige, klinische Untersuchungen durchmachten. Die Evaluierung der Kraftsport-Ausübung erfolgte dabei mittels Fragebogen.

40-70% weniger kardiovaskuläre Events

Die ProbandInnen wurden durchschnittlich über 5,4 und bis zu 10,2 Jahre begleitet. In diesem Zeitraum ereigneten sich dabei 205, mit kardiovaskulären Erkrankungen assoziierte Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod) und 276 sonstige Todesfälle. Dabei stellte sich heraus, dass, verglichen mit keinerlei Krafttraining, bereits 1-3 Trainingseinheiten mit einer Gesamtdauer von bis zu 59 Minuten das Risiko für kardiovaskulär assoziierte Ereignisse um 40-70% verringerte. Auch das Risiko für sonstige Todesfälle wurde dadurch reduziert. Trainingszeiten von mehr als 59 Minuten bzw. öfter als vier Mal wöchentlich zeigten dabei jedoch keinen zusätzlichen Effekt mehr.

Bankdrücken > Laufen?

Bis dato wurde als allgemeine Präventionsmaßnahme für kardiovaskuläre Erkrankungen mehrheitlich Ausdauertraining wie z.B. Laufen empfohlen. Die Ergebnisse dieser Studie könnten dies jedoch ändern. Krafttraining wird in der Allgemeinheit oft fälschlicherweise mit Bodybuilding assoziiert, der englische Begriff des Resistance Trainings wäre hier wegweisender. Dieser umfasst nicht nur konventionelle Fitnessstudios mit endlosen Reihen zentnerschwerer Hantelstangen, sondern auch neuere Konzepte, bei denen z.B. Geräte mit pneumatischem Widerstand und einfacher Bedienung zum Einsatz kommen. Diese richten sich auch an Zielgruppen außerhalb des klassischen Klischees des Muskelprotzes, beispielsweise Senioren oder Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung.

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Krafttraining als Alternative

Lee und sein Team nutzten den von ihnen verwendeten Datensatz dann auch noch im Zuge zweier weiterer Studien (4), um auch den Einfluss von Krafttraining auf das Risiko für Diabetes und Hypercholesterinämie zu testen. Auch hier zeigte weniger als eine Stunde Training pro Woche bereits eine Reduktion. So sinkt dabei das Risiko für erhöhte Cholesterinwerte im Blut um 29%.
Zusammenfassend wurde hier also bewiesen, dass Krafttraining eine effektive Alternative zu konventionellem Ausdauertraining ist, von welcher beispielsweise Menschen profitieren können, deren Gelenke die lang andauernde Belastung von Ausdauersport nicht mehr tolerieren.

Wir bei Diagnosia finden das sehr spannend und werden jetzt erstmal ein paar Eisen biegen!

 

Quellen
  1. Mendis S, Puska P, Norrving B. Global atlas on cardiovascular disease prevention and control. World Health Organization 2011
  2. Lee DC, Pate RR, Lavie CJ, Sui X, Church TS, Blair SN. Leisure-time running reduces all-cause and cardiovascular mortality risk. J Am Coll Cardiol. 2014;64(5):472-81.
  3. Yanghui Liu, Duck-chul Lee, Yehua Li, Weicheng Zhu, Riquan Zhang, Xuemei Sui, Carl J. Lavie, Steven N. Blair. Associations of Resistance Exercise with Cardiovascular Disease Morbidity and Mortality. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2018
  4. Science Daily
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