Alkohol
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Alkohol erhöht schon in geringen Mengen das Gesundheitsrisiko

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Alkohol ist die weltweit am meisten konsumierte Droge, der Konsum gilt in vielen Ländern als sozial anerkannt und normal. Aufgrund der gesellschaftlichen Akzeptanz unterschätzen besonders junge Leute gerne die Gefahren des Alkohols. Seit einigen Jahrzehnten ist der weltweite Pro-Kopf-Konsum immerhin etwas rückläufig. In Österreich trinkt jeder Mensch im Schnitt 10,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr, in Deutschland ist diese Zahl mit 11,4 Liter pro Jahr noch etwas höher. Insgesamt liegen beide Länder damit etwa im europäischen Mittelfeld. In Europa liegt Litauen mit einem Konsum von 18,2 Liter pro Jahr mit Abstand vorne.

Alkohol in unbedenklichen Mengen


Die Empfehlungen zum sicheren Alkoholkonsum weisen im globalen Vergleich grobe Unterschiede auf. In Deutschland und Österreich wird empfohlen, eine tägliche Menge von 24g / 12g (Männer/Frauen) Alkohol nicht zu überschreiten und zwei Tage in der Woche keinen Alkohol zu trinken. Demgegenüber gilt beispielsweise in den USA ein Konsum von bis zu 196g / 98g pro Woche als risikoarm. Es gibt also keine Übereinstimmung darüber, bis zu welcher Menge der Konsum von Alkohol unbedenklich ist und ohne ein erhöhtes Risiko für diverse Krankheiten einhergeht.

Lancet-Studie


Eine 2018 im Lancet erschienene Studie hat sich nun diesem Problem gewidmet. Dabei handelt es sich um eine Metaanalyse von groß angelegten Studien, die weltweit die Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit untersuchten. So kam ein beträchtlicher Datensatz von insgesamt 599.912 Teilnehmern zusammen, die Alkohol konsumieren und bei denen eine bestehende kardiovaskuläre Erkrankung ausgeschlossen werden konnte. Die Probanden wurden ihrem wöchentlichen Alkoholkonsum entsprechend in vier Gruppen eingeteilt (<100g, 100-200g, 200-350g, >350g). Der Beobachtungszeitraum betrug im Schnitt 9 Jahre, mindestens aber 1 Jahr.

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Ergebnis


Die Forscher kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Mit zunehmendem Alkoholkonsum ist eine höhere Mortalitätsrate und eine abnehmende Lebenserwartung zu verzeichnen. Des Weiteren zeigt sich dieser Trend bereits, sobald der wöchentliche Konsum 100g Alkohol überschreitet. Im Alter von 40 Jahren reduzierte sich die Lebenserwartung je nach Konsum um 6 Monate (100-200g), 1-2 Jahre (200-350g) und 4-5 Jahre (>350g). Auch das Risiko für Schlaganfall (HR: 1,14), Herzinsuffizienz (HR: 1,09), Aortenaneurysma mit Todesfolge (HR: 1,15) und Hypertonie mit Todesfolge (HR: 1,24) steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum an. Allein das Risiko für einen Myokardinfarkt wird durch Alkohol leicht gesenkt (HR: 0,94).

Fazit


Die Studie konkludiert, dass eine wöchentliche Menge von 100g reinem Alkohol nicht überschritten werden sollte. Überdies gäbe es keine Grenze, die gesundheitlich unbedenklich ist und bei welcher eine Reduzierung der Alkoholmenge keinen weiteren Vorteil aufzeigen würde.
Die Angaben in Deutschland und Österreich zum sicheren Konsum entsprechen einer Menge von 120g Alkohol pro Woche und kommen damit der Empfehlung der Forscher schon sehr nahe. In den USA hingegen wäre eine Halbierung der empfohlenen Menge notwendig.
Auf die Praxis übertragen bedeutet dies, dass eine wöchentliche Menge von 5 Gläsern Bier (500ml, 5%) oder 8 Gläsern Wein (125ml, 12%) nicht überschritten werden sollte. Im Schnitt sind die Österreicher (163 g/Woche) und die Deutschen (175 g/Woche) also noch weit von dieser Grenze entfernt.

 

Quellen


1. Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies

2. WHO – World Health Statistics 2017

3. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen – Empfehlungen des wissenschaftlichen Kuratoriums der DHS zu Grenzwerten für den Konsum alkoholischer Getränke

4. BMGF Österreich – Alkohol

 

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