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SSPE: Verheerende Spätfolge von Masern!

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„Impfungen sind gefährlich!“, „Eine Maserninfektion ist eine Kinderkrankheit und stärkt das Immunsystem!“, „Viren gibt es gar nicht, oder hat schon einmal jemand eines gesehen?“ – Solche und ähnlich reißerische Kommentare liest man immer wieder in diversen einschlägigen Medien. Impfgegner gibt es, seit es Impfungen gibt, und sie halten sich hartnäckig. Zahlreiche Mythen ranken sich um angeblich durch Impfungen verursachte Spätschäden, die wahre Gefahr bleibt allerdings unbekannt: Spätschäden, die einer durchgemachten Virusinfektion folgen können. Spätschäden, die verheerend sein können. Und vor allem: Spätschäden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Impfung zu verhindern gewesen wären. Unser heutiger Blogpost widmet sich einer speziellen Komplikation der durchgemachten Maserninfektion: Der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis, kurz SSPE.

Mit rund 10 Erkrankungen pro 100 000 Masernfälle zwar eine, dank hoher Durchimpfungsrate gerade in unseren Breiten selten gewordene, dafür umso gefürchtetere Komplikation, bei der es sich um eine progressive, neurodegenerative Enzephalitis handelt.

Beginn und Symptomatik

Die Erkrankung beginnt schleichend und manifestiert sich meist im Volksschulalter. Eltern und Lehrer können vielfältige Veränderungen bemerken, so zum Beispiel neu auftretende Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, die zu einem Leistungsabfall führen und oft mit einer merklichen Persönlichkeitsveränderung einhergehen. So weit so unspezifisch und normal, gerade für Kinder diesen Alters. Doch werden diese Auffälligkeiten von vermehrtem Stolpern bis hin zu Myoklonien und Krampfanfällen begleitet, wird in den meisten Fällen ein Kinderarzt konsultiert.

Besonders wichtig ist nun die Anamnese, bei der ein Augenmerk auf vorangegangene Kinderkrankheiten gelegt werden sollte. Lässt sich nämlich feststellen, dass das Kind vor dem fünften, insbesondere vor dem zweiten Lebensjahr, „die Masern“ gehabt hat, sollten die Alarmglocken schrillen: EEG, MRT und gegebenenfalls eine Liquorpunktion auf Masern IgG können bei dem Verdacht auf SSPE richtungsweisend sein. 

Pathogenese

Vermutlich durch im ZNS persistierende Masernvirusmutanten ausgelöst, handelt es sich bei der SSPE um eine, sich nach und nach über das gesamte Gehirn ausbreitende Entzündung, die zum jetzigen Stand der Wissenschaft nicht kurativ behandelt werden kann. Folglich kommt es zu allerlei neurologischen Ausfällen: Von unfreiwilligen Bewegungen über epileptische Anfälle, Demenz, fokale Ausfälle mit Sprachstörungen oder Erblinden, zu steigender Muskelrigidität bis hin zum apallischen Syndrom.

Behandlung

Eine ursächliche Behandlung steht momentan leider nicht zur Verfügung. Symptome können mit Spasmolytika, Virustatika und Immunglobulinen behandelt werden und so die Lebensqualität und Überlebensdauer steigern, letztendlich tritt der Tod aber nach durchschnittlich vier Jahren ein.

Schutzimpfung

Masernendemien treten auch in Österreich immer wieder auf, seit Jahresbeginn dürften bereits über 65 Kinder neu erkrankt sein. Zum Vergleich: Im Vorjahr meldeten sich 77 Fälle.

Laut Impfplan 2019 werden zwei Masern-Mumps-Röteln-Impfungen ab dem 10. Lebensmonat empfohlen, fehlende Impfungen können und sollen nachgeholt werden, unabhängig vom Alter, denn die sogenannten Kinderkrankheiten können auch Erwachsene betreffen. Ein vollständiger Schutz wird erst nach der 2. Schutzimpfung gewährleistet.

Tragischerweise treten auch hierzulande vereinzelt Fälle von SSPE auf, Schicksale, die besonders berühren, weil sie in den allermeisten Fällen durch eine Impfung zu verhindern gewesen wären. Es sei an dieser Stelle also dringend angeraten, Impfpässe zu kontrollieren und Patienten hinreichend aufzuklären. Denn wenn etwas das Immunsystem unterstützt und stärkt, dann sind das Impfungen.

Quellen

1. Subacute sclerosing panencephalitis: clinical phenotype, epidemiology, and preventive interventions.

2. Was man über die aktuellen Masernfälle wissen muss.

3. Ab Jahrgang 1974 Masern-Schutz kontrollieren.

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