UAW
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Wenn unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) in die Notaufnahme führen

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Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) gehören zu den iatrogenen Schäden, die besonders häufig vorkommen. Durch die Wechselwirkungen verschiedener Wirkstoffe steigt das Risiko für eine UAW mit der Anzahl der gleichzeitig eingenommenen Medikamente. Dies betrifft natürlich besonders ältere PatientInnen, wie wir bei Diagnosia Insights bereits berichteten. Nicht selten kann dies der Grund für die Vorstellung in einer Notfallambulanz bzw. für einen stationären Aufenthalt sein. Das Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland veröffentlichte dieses Jahr nun eine Studie, die versuchte, dieses Problem an vier Krankenhausnotaufnahmen zu quantifizieren.

Situation in Deutschland


Dafür dokumentierte das Team 30 Tage lang alle Fälle, bei denen eine UAW möglicherweise, wahrscheinlich oder sicher Grund für die Vorstellung in der Ambulanz war. Bei 10.174 PatientInnen waren dies 665 Fälle, was einem Anteil von etwa 6,5% entspricht. Berücksichtigt man nur PatientInnen, die eine Arzneimitteltherapie erhalten, liegt dieser Anteil sogar bei etwa 12%. Wie erwartet wurden vor allem ältere PatientInnen aufgrund einer UAW vorstellig, etwa 70% der UAW-Verdachtsfälle waren älter als 65 Jahre. Interessant ist auch die Tatsache, dass eine vermutete UAW in 89% der Fälle zu einem stationären Aufenthalt führte, während dieser Anteil bei allen Vorstellungen in der Notaufnahme im Gegensatz dazu mit 44% deutlich niedriger liegt. Die häufigsten Symptome waren gastrointestinaler Natur oder betrafen das Nervensysten, oft wurden auch unspezifische Symptome wie eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes dokumentiert. Im Median nahmen die PatientInnen mit UAW-Verdacht sieben Medikamente gleichzeitig ein.

Prävention von UAW


Die wichtigste Maßnahme für die Reduktion unerwünschter Arneimittelereignisse (UAE) ist deshalb eine strenge Indikationsstellung bei der Verschreibung von Medikamenten. Die langen Medikamentenlisten, die manchmal den Rahmen einer Patientenkurve sprengen, sind besonders in der Inneren Medizin bekannt. Eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung und wenn möglich eine Kürzung dieser Liste kann das Risiko für das Auftreten einer UAW vermindern. Bei der Überprüfung der eingenommenen Präparate sollten demzufolge zwingend Indikation, Dosierung, Wechselwirkungen, Krankheitsinteraktionen und Therapiedauer berücksichtigt werden. Medikationsfehler wie Doppelverordnungen sowie die Nichteinhaltung von Einnahmevorschriften sollten ebenso ausgeschlossen werden.
Ein nicht vernachlässigbarer Teil der Vorstellungen in der Notaufnahme können mit einer UAW assoziiert sein. Eine Sensibilisierung von Gesundheitspersonal und PatientInnen ist unabdingbar, um unerwünschte Arzneimittelwirkungen als solche zu erkennen und demgemäß die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern.

Weiterführendes


Weitere Informationen zur Meldung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen finden Sie in Deutschland bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bzw. in Österreich beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen.

Alle Infos zu Neben- und Wechselwirkungen findet ihr natürlich in der Diagnosia App:

Diagnosia App

 

Quellen


1. Schurig AM, Böhme M, Just KS, Scholl C, Dormann H, Plank-Kiegele B, Seufferlein T, Gräff I, Schwab M, Stingl JC: Adverse drug reactions (ADR) and emergencies—
the prevalence of suspected ADR in four emergency departments in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 251–8. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0251

2. MSD Manuals – Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

3. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft – Definitionen zu Pharmakovigilanz und Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)

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