Uterustransplantation
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Erstes Baby durch postmortale Uterustransplantation

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Die Transplantation von Organen und Geweben ist eine alte Idee, die schließlich durch die Fortschritte der modernen Medizin in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Wirklichkeit wurde. Die Verpflanzung der ersten Niere stellte 1954 einen Meilenstein der Medizin dar. Durch die Erforschung und Weiterentwicklung der Immunsuppression glückte in den darauffolgenden Jahrzehnten die Transplantation weiterer Organe, darunter die Bauchspeicheldrüse, die Leber, das Herz und die Lunge. Bei der Weitergabe von Organen wird zwischen einer Lebendspende und einer postmortalen Organspende unterschieden. Bei einer Lebendspende kommen nur Organe und Teile von Organen in Frage, deren Fehlen das Leben der SpenderIn nicht beeinträchtigen bzw. vom Spenderorganismus kompensiert werden können – etwa Teile der Leber oder eine der beiden Nieren. Die Uterustransplantation stellt ein recht neues und teilweise experimentelles Verfahren dar, das derzeit noch in den Kinderschuhen steckt.

Uterustransplantation

Erst 2014 wurde in Schweden erstmalig ein Kind durch die Lebendspende einer Gebärmutter geboren. Dafür wurde einer 36-jährigen Frau der Uterus einer 61-jährigen Spenderin und zweifachen Mutter transplantiert. Für die Transplantation einer Gebärmutter kommen nur Empfängerinnen in Frage, die eine rein uterine – eine ausschließlich die Gebärmutter betreffende – Ursache für ihre Unfruchtbarkeit aufweisen. Dies trifft auf Patientinnen zu, bei denen das Organ beispielsweise aufgrund eines Tumorgeschehens oder einer Verletzung entfernt wurde, aber auch jene, die bereits mit einer Uterusaplasie – also ohne Gebärmutter – geboren wurden. Diese Frauen können sich ihren Kinderwunsch sonst lediglich mittels Adoption oder einer nur in wenigen Teilen der Erde erlaubten Leihmutterschaft erfüllen.

Postmortale Spende

Die Vorteile einer postmortalen Spende liegen auf der Hand. Während bei einer Lebendspende eine meist nahestehende Frau gefunden werden muss, die sich dem Risiko und der Belastung einer Gebärmutterentfernung unterziehen möchte, wird die postmortale Spende und anschließende Verpflanzung durch die größere Verfügbarkeit von Spenderorganen deutlich vereinfacht. Netzwerke, wie das europäische Eurotransplant, die eine länderübergreifende Zuteilung von Spenderorganen ermöglichen, sind bereits seit Jahrzehnten etabliert.
Das Journal „The Lancet“ veröffentlichte im Dezember 2018 nun den ersten Fall einer Patientin, die die Gebärmutter einer verstorbenen Spenderin erhielt und infolgedessen ein Kind zur Welt bringen konnte. Bei der Patientin handelt es sich um eine Frau mit dem Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKH). Dieses betrifft etwa 1 von 4.500 Frauen und geht meist mit einer Fehlbildung der Vagina sowie der fehlenden Ausprägung einer Gebärmutter einher. Die Funktion der Eierstöcke ist dabei für gewöhnlich nicht beeinträchtigt.

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Ablauf

Nach der Verpflanzung der Gebärmutter wurde bei der Patientin mit einer ausgiebigen Immunsuppression die Abstoßung des Organs verhindert. Bereits nach 37 Tagen trat die erste Regelblutung auf, die sich in den kommenden Monaten regulär wiederholte, sodass nach 7 Monaten ein Embryotransfer in die Gebärmutter stattfinden konnte. Die Schwangerschaft verlief weitgehend unauffällig, im Dezember 2017 wurde das Mädchen in der 35. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt entbunden. Im Rahmen des Kaiserschnitts erfolgte überdies auch die Entfernung der Gebärmutter und die Absetzung der immunsuppressiven Medikamente.

Die Transplantation von Organen ist eine große Errungenschaft, die bereits unzähligen Menschen das Leben gerettet oder zumindest deutlich verbessert hat. Aus diesem Grund finden wir diese neuen Entwicklungen äußerst spannend!

Quellen

1. Livebirth after uterus transplantation from a deceased donor in a recipient with uterine infertility

2. First baby born via uterus transplant from a deceased donor

3. Geschichte der Organspende

4. Livebirth after uterus transplantation

5. Das MRKH-Syndrom

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