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HIV-Selbsttest nun auch in Österreich verfügbar

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Weltweit sind etwa 36 Mio. Menschen mit HIV infiziert, rund die Hälfte davon befindet sich in Behandlung. Insgesamt lässt sich ein positiver Trend abzeichnen. Die Neuinfektionen sind seit Jahren stetig abnehmend. Wurden im Jahr 2000 noch etwa 3,1 Mio. Neudiagnosen registriert, fiel diese Zahl bis 2016 auf etwa 1,8 Mio. Auch die Zahl der Menschen, die weltweit an den Folgen einer HIV-Infektion sterben, hat sich zwischen 2005 und 2016 auf etwa 1 Mio. Fälle pro Jahr halbiert.

HIV in Europa


Leider gehört Europa als Ganzes nicht zu den Regionen der Erde, die zu dieser Statistik beitragen. Besonders in Osteuropa steigen die Infektionsraten kontinuierlich, Westeuropa hingegen kann einen leichten Rückgang verzeichnen.
In Österreich leben etwa 8000-9000 Menschen mit HIV, die Zahl der Neudiagnosen liegt seit der Jahrtausendwende bei etwa 400-500 pro Jahr. Dabei gilt zu beachten, dass die tatsächliche Infektion bei vielen Betroffenen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Jahre zurückliegen kann.
Zur Quantifizierung des Immunsystems wird bei einer HIV-Infektion die Zahl der CD4+-T-Zellen im Blut herangezogen. Laut WHO-Definition entspricht ein Wert unter 350/mm3 einem fortgeschrittenen Stadium, ein Wert unter 200/mm3 definiert eine AIDS-Erkrankung (jeweils bei vorliegendem HIV-Nachweis).

Späte Diagnosen


Etwa 40% der Österreicher mit HIV erhalten die Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium. Der Anteil dieser Spätdiagnosen ist in Europa gerade bei Menschen über 50 Jahren (63%) und Menschen, die sich über heterosexuelle Sexualkontakte infizieren (Männer 63%, Frauen 54%), besonders hoch. Bevor ein fortgeschrittenes Stadium erreicht wird, sollte mit der Einnahme antiretroviraler Medikamente begonnen werden. Dies verspricht bezüglich Mortalität und Lebensqualität den größten Erfolg. Auch geht das Risiko, das Virus über Sexualkontakte weiterzugeben, bei einer adäquaten Therapie gegen Null. Es ist deshalb äußerst wichtig, dass Infizierte ihren HIV-positiven Status so früh wie möglich erkennen und eine Infizierung weiterer Personen verhindert werden kann.

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Der Selbsttest


Die Vorteile eines HIV-Tests, der zu Hause selbst durchgeführt werden kann, liegen auf der Hand. Die Stigmatisierung, die Menschen mit HIV bis heute erleben, hält viele davon ab, sich testen zu lassen und ihren HIV-Status zu erfahren. Die Möglichkeit, den Test privat selbst durchzuführen, senkt diese Hemmschwelle. Seit 2015 verkaufen Apotheken in Frankreich den sogenannten „autotest VIH“. Mittlerweile ist dieser auch in weiteren europäischen Ländern wie Italien und Belgien erhältlich. Die Kosten belaufen sich auf etwa 30€, eine Bestellung über die Herstellerseite ist ebenso möglich. Laut eigenen Angaben liegt die Sensitivität dieses Tests bei 100%, die Spezifität bei 99,8%. In jedem Fall muss ein positiver Test deshalb durch einen ELISA-Test im Labor bestätigt werden, um ein falsch positives Ergebnis auszuschließen.

Seit Anfang Juni diesen Jahres ist es nun auch in Österreich erlaubt, einen solchen HIV-Test in der Apotheke zu erwerben, obwohl die Test-Kits wohl erst im Laufe des Sommers verfügbar sein werden. Die Anwendung ist denkbar einfach. Mithilfe einer Lanzette wird aus der desinfizierten Fingerkuppe ein Bluttropfen gewonnen, der in das Testgerät gegeben wird. Nach 15 Minuten lässt sich das Ergebnis ablesen.

Einschränkungen


Der Selbsttest funktioniert über die Reaktion auf Antikörper gegen die HIV-Subtypen HIV-1 und HIV-2. Die Bildung dieser Antikörper dauert ab dem Zeitpunkt der Infektion bis zu 12 Wochen, dieser Zeitraum wird als serodiagnostisches Fenster bezeichnet. Ein negativer Test ist deshalb nur dann verlässlich, wenn die letzte potentielle HIV-Exposition über 3 Monate zurückliegt. Im Labor wird das serodiagnostische Fenster durch die Bestimmung des p24-Antigens auf etwa 4 Wochen reduziert. Problematisch ist dieses lange Zeitfenster besonders aufgrund der Tatsache, dass die Ansteckungsgefahr vor allem in den ersten Wochen nach Infektion besonders hoch ist und erst nach der Bildung von Antikörpern absinkt. Ein negativer Selbsttest kann sexuell aktiven Personen deshalb ein falsches Gefühl von Sicherheit geben.

Jeder HIV-Test zählt


Trotzdem ist jeder durchgeführte HIV-Test wichtig. Ein Test für Zuhause erreicht dabei auch Menschen, die sonst ihren HIV-Status nicht erfahren würden. Eine Online-Umfrage zum „autotest VIH“ ergab, dass der Selbsttest für 40% der Käufer den ersten HIV-Test darstellte und in dieser Gruppe gaben wiederum 55% an, sie hätten alternativ kein Testlabor aufgesucht. Trotz der Einschränkungen ist ein frei erwerblicher Test deshalb ein Schritt in die richtige Richtung, die Verbreitung von HIV weiter einzudämmen und mehr Menschen über ihren Status aufzuklären.

Welche Tipps bei der frühzeitigen Diagnose einer HIV-Infektion helfen können, erfahrt ihr auch bei Diagnosia Insights.


Quellen

  1. WHO – HIV/AIDS surveillance in Europe 2017
  2. Bundesministerium für Gesundheit – HIV/AIDS
  3. http://autotest-vih.eu/de/
  4. AIDS Hilfe Wien – Statistik
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